Reisen

Studienreisen

Mitglieder der Gesellschaft der Freunde des Deutschen Archäologischen Instituts haben die Möglichkeit, jährlich an einer exklusiven Studienreise mit kompetenter Begleitung von leitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des DAI teilzunehmen.

 

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Die TWG-Exkursion 2017 führte vom 10. bis 22. Mai 2017 in den Iran. Den 21 Mitglieder und Förderer der Gesellschaft der Freunde des Deutschen Archäologischen Instituts, die an der Exkursion teilnahmen, präsentierte sich der Iran als ein außerordentlich freundliches Land, das den Besucher mit seiner reichen Geschichte, seinen Gärten und Palästen, seinen Moscheen, Mausoleen und Medressen und mit seinen Zeugnissen der Kultur, der Kunst und der Literatur nachhaltig beeindruckt. Die Reiseroute verlief in Begleitung der Leiterin der DAI-Außenstelle Teheran, Frau Dr. Judith Thomalsky, von Teheran über Isfahan und Yazd nach Shiraz und berücksichtigte vor allem auch die vor- und frühgeschichtlichen archäologischen Zeugnisse des Landes sowie die klassischen historischen Stätten von Pasargadae und Persepolis.

 

Das Programm in der umtriebigen und staugeplagten Hauptstadt Teheran begann mit einem Informationsbesuch in der Deutschen Botschaft und dem obligatorischen Geldwechsel mit gewöhnungsbedürftigen Millionenbeträgen zunächst routiniert und für die vielgereisten Teilnehmer nicht ungewöhnlich. Aber schon der ausgedehnte Besuch im Nationalmuseum gab einen ersten Eindruck vom geschichtlichen und künstlerischen Reichtum der Jahrtausende alten Geschichte des Landes. Der Besuch im nahegelegenen Ray, als Raga lange vor der Gründung Teherans ein wichtiger Knotenpunkt an der alten Seidenstraße, dann in parthischer Zeit sogar königliche Residenz und in früher islamischer Zeit neben Bagdad eine der bedeutendsten Städte des Orients, offenbarte uns dann vor Ort mit der historischen Quelle Chesme Ali, dem Siedlungshügel aus neolithischer Zeit und der erhaltenen Stadtmauer eindrucksvolle Zeugnisse aus den verschiedenen Zeitperioden der iranischen Geschichte. Einige Meilen weiter besuchten wir den Tappe Mil, einen ebenfalls prähistorischen Siedlungshügel, gekrönt von einer sassanidischen Palast- und Tempelanlage. Vor- und frühgeschichtliche Zeugnisse fanden wir auch in Tappe Sialk, dessen nördliche Erhebung den Nachweis für eine Besiedlung schon im 6. vorchristlichen Jahrtausend erbrachte. In einem neuen Ansatz versuchen u.a. deutsche Archäologen nachzuweisen, dass schon in dieser frühen Zeit die Gewinnung und Verarbeitung von Metallen möglich waren, deren Anfänge bisher ins 4. Jt. datiert werden. Auf dem Weg in das wegen seiner rotbraunen Lehmarchitektur bekannte Bergdorf Abyaneh, dessen Besiedlung seit sassanidischer Zeit nachgewiesen ist, berichtete Frau Dr. Thomalsky über ein altes deutsches archäologisches Bergbauprojekt im nahen Arisman, das auf weitere Forschungsgrabungen wartet.

 

Auf dem Weg von Yazd nach Shiraz erreichten wir die repräsentativen Stätten und Gräber der achämenidischen Großkönige aus der klassischen Zeit der Perser im 6. vorchristlichen Jhdt., heute Weltkulturerbestätten. In 1850 m Höhe besuchten wir die persische Residenzstadt Pasargadae, die Kyros der Große, der Gründer des persischen Großreiches, 550 v.Chr. nach seinem Sieg über die Meder errichten ließ. Neben den Grundmauern und einigen Säulen alter Paläste ist auf dem sehr großen Areal das ebenso schlichte wie eindrucksvolle Grabmahl von Kyros das einzige komplett erhaltene Gebäude in Form eines Steinhauses auf einer aus großen Natursteinen gebauten Basis. Unser nächster Besuch galt der 518 v.Chr. von Darios I. gegründeten, großartigen Repräsentationshauptstadt Persepolis, persisch Parsa genannt. Die Stadt wurde knapp 200 Jahre später von Alexander dem Großen erobert und zerstört. Da die Reste vieler Gebäude bis zum Beginn der archäologischen Ausgrabungen ab etwa 1930 unter dem Erdreich verborgen waren und keine Erdbeben sie weiter verwüsteten, stellt sich Persepolis heute als Ansammlung von Säulen, Mauern, Fundamenten und Reliefs dar, die jeweils im einzelnen von außergewöhnlicher Qualität in Konzept und Ausführung sind. Wenige Kilometer entfernt besichtigten wir anschließend ein Grabungsfeld, auf dem iranische und italienische Archäologen vor wenigen Jahren Fundamente eines zu einem weiteren Palast gehörenden Prachttores gefunden haben, das zu ihrer Überraschung von Kyros dem Großen, dem Gründer des Achämenidenreiches gebaut worden sein muss – also älter als Persepolis ist. Nach dem Fundmaterial handelt es sich um eine Nachbildung des Torbaus von Babylon, das im Pergamonmuseum in Berlin zu sehen ist. Wiederum einige Kilometer weiter befinden sich dann in Naqsh-e Rostam auch die Königsgräber der achämenidischen Könige, die in den Fels gehauen und mit Reliefs und Texten ausgeschmückt sind.

 

Da wir während unserer begrenzten Reisezeit nur eine kleine Auswahl iranischer archäologischer Fundstätten besuchen konnten, ergänzte Frau Dr. Thomalsky den archäologischen Horizont des Iran durch Hinweise auf ein Grabungsprojekt, das sie gemeinsam mit einem iranischen Kollegen in Khorazan im Norden Irans im Grenzgebiet zu Turkmenistan bearbeitet,  dann auf Aktivitäten in der historisch wichtigen Umgebung des Urmia-Sees im Norden des Landes und schließlich auf das für die frühe elamische und iranische Geschichte wichtige Gebiet im Südwesten des Landes in Richtung Mesopotamien mit der alten Hauptstadt Susa. Frau Dr. Thomalsky erläuterte dabei sehr eindrucksvoll ihre Vorstellungen, in enger Zusammenarbeit mit den iranischen Archäologen daran mitzuarbeiten, einen Gesamtüberblick über archäologische Stätten im Iran zu erstellen, Schwerpunkte zu bilden und die archäologische Forschung effizient und mit modernen Methoden voranzubringen.

Neben der Archäologie bot uns der Iran auch andere unvergessliche Höhepunkte. Zunächst die Landschaft, durch die wir reisten, die Hochebenen zwischen Elburs und Zagrosgebirge mit fruchtbaren Gebieten – den schon im Altertum genutzten Kornkammern – und den Wüsten, die Salzwüste, die wir durchquerten. Dann sehr beeindruckend die in Jahrtausenden entwickelten Bewässerungssysteme, die Qanate, die zu allen Zeiten Voraussetzung für gute Ernten und für Reichtum waren.

Wir bewunderten die Gartenanlagen und Paläste, nicht zufällig in persischer Sprache als Paradiese bezeichnet: den Golan-Palast im Zentrum und die Saad Abad Parkanlage im Norden Teherans, die Fin-Gärten in Kashan und Chahel-Sotun- und Hasht-Behesht-Palast in Isfahan, eine Stadt, der an Schönheit keine andere gleichkommt, der Dowlatabad-Garten in Yazd, schließlich Shiraz, die Stadt der Rosen und Nachtigallen, die Rivalin Istafans in der Gunst der Bewunderer mit Eram-Garten und Naranjestan-Garten, den Garten der Orangenbäume, den ein Mitglied der ol-Molk-Familie als Bürgermeister von Chiraz 1880 zusammen mit einem eindrucksvollen Palast anlegte.

Wir bewunderten die Türme des Schweigens zur Totenbestattung der Zoroaster und  die Türme der Winde zur Kühlung der Häuser und großer Vorratsbehälter in Yazd und Umgebung sowie die Taubentürme von Meybod.

Und wir begegneten mit Respekt den religiösen Zentren überall im Lande. Wir begannen mit dem Besuch des schiitischen Schreins Hazrat-e Abdal Azim in Ray mit den Grabmonumenten früher Imame, einem der wichtigsten Pilgerstätten Irans. Unsere Frauen mischten sich in geliehenen Umhängen unter die betenden islamischen Frauen, während wir Männer auf der Männerseite die im wahren Wortsinn glänzende Ausgestaltung der heiligen Schreine bewunderten. Das integrierte Museum beeindruckte mit feiner, bis heute  örtlich hergestellter Keramik, mit religiösen Gerätschaften und mit herrlichen, alten Büchern.

Wir passierten das noch im Bau befindliche, aber schon als Pilgerstätte dienende Imam-Khomeini-Mausoleum außerhalb von Teheran, einen riesigen, aufwendig ausgestatteten Gebäudekomplex, der als Begräbnisstätte des ersten Revolutionsführers die Vorherrschaft der Geistlichkeit im Iran dokumentiert. Auf der Weiterreise gen Süden erreichten wir die für Muslime Heilige Stadt Qom, die wir aus Zeitgründen nur aus der Ferne besichtigten. In Isfahan besuchten wir die alte Freitagsmoschee, an der seit dem 8. Jhdt gebaut wird, sowie die Imam- oder Abbas-Moschee auf dem unvergesslichen Imamplatz. Im Laufe der Weiterreise sahen wir die alte Säulenmoschee aus dem 9. Jhdt in Nain. In Chiraz waren wir beeindruckt von der privaten Rosa-Moschee des Nasr ol-Molk und von der riesigen Anlage des Shah-Cheragh-Schreins, der nach Qom und Marschad als das drittwichtigste Heiligtum der Shiiten im Iran angesehen wird.

 

Schließlich ließen wir uns begeistern von den zur Pahlevi-Zeit Mitte des 20. Jhdt. als nationale Gedenkstätten gestalteten Mausoleen der bekanntesten iranischen Dichter Saadi (um 1210 – 1292) und Hafiz (um 1315 – 1389). Saadi war ein vielgereister, in Bagdad ausgebildeter Gelehrter, der dem Sufi-Orden anhing, während Hafis seine Heimatstadt Shiraz kaum je verließ und in seinen Werken einen universellen Islam vertrat. Im West-östlichen Diwan setzte Goethe dem von ihm verehrten Hafis ein literarisches Denkmal.

Die Reiseteilnehmer empfanden das anspruchsvolle Reiseprogramm am Ende als eine geistige und konditionelle Herausforderung. Der Iran aber zeigte sich in seiner ganzen Einzigartigkeit und Größe und entschädigte für alle Mühen, sodass alle  zufrieden und voll unvergesslicher Eindrücke wieder in die Heimat zurückkehrten.

 

Johannes Dohmes

Die TWG-Exkursion 2016 führte vom 17. & 28. Mai 2016 nach Sizilien, nach Magna Graecia, wo die Griechen ab der Mitte des 7. vorchristlichen Jahrhundert Raum, Nahrung und Arbeit fanden, wo sie auf die Phoenizier trafen, die schon seit 1000 v.Chr. im Osten der Insel ihre Handelsniederlassung eingerichtet hatten, wo sie unermesslichen Reichtum anhäuften und riesige Städte, Maueranlagen und Tempel bauten, die alles aus der Heimat weit in den Schatten stellte, die dann aber im 3. Jhdt. von den Puniern vernichtend geschlagen wurden und die riesigen Tempel und anderen Bauten als Ruinen zurückließen.

Sizilien ist aufgrund der geographischen Lage auch die Insel der großen Naturschauspiele. Der Ätna tat uns den Gefallen und zeigte weiße Rauchwolken. Wir erfuhren aber auch von der Erdbebenkatastrophe im 17. Jhdt., die dann zur Initialzündung zum Bau großartiger Barockstädte wurde, die bis heute große Scharen von Touristen anziehen.
Das war die Ausgangslage für die 12-tägige intensive Rundreise, die 16 begeisterte und beeindruckte Mitglieder unserer Gesellschaft unter kenntnisreicher und einfühlsamer Führung von Prof. Dr. Henner von Hesberg, dem früheren Direktor des DAI-Rom, der auch heute noch in Selinunt arbeitet, und der Reiseleiterin Jasmin Carnabuci von Palermo bis nach Catania führte.

Palermo mit Abstecher nach Monreale gab uns eine erste Ahnung von der vielgestaltigen geschichtlichen und architektonischen Entwicklung mit den Zeugnissen aus der Zeit des klassischen Altertums über die byzantinische, normannische, arabische und islamische Zeit bis in die Gegenwart. Von Palermo verlief die Reise über die antike griechische Stadt Segesta mit dem gut erhaltenen dorischen Tempel und dem kleinen Theater auf dem nahen Stadtberg nach Mozia, einem um 1.000 v.Chr. von den Phöniziern gegründeten Handelszentrum an der Ostküste der Insel, das zu Beginn des 4. Vorchristlichen Jhdts. von Dionysios von Syrakus völlig zerstört wurde.
Vorbei an der durch ihre Weine bekannten Stadt Marsala ging es weiter nach Selinunt, das durch die einmalige Lage, die Größe seiner Tempel, Stadtmauern und Gebäuden und auch durch die Fälle der archäologischen Forschungsergebnisse beeindruckte. Eindrucksvoll auch das Zusammentreffen mit den Mitgliedern der Forschergruppe um Prof. Henner von Hesberg und der Besuch im ergiebigen und gut geordneten Magazins im DAI-Grabungshaus, dessen Dokumentation und Auswertung sich die Wissenschaftler zur Aufgabe gemacht haben.

Vorbei am zu Selinunt gehörenden Steinbruch Cave de Cuse mit einer Sammlung unvollendeter Säulentrommeln aus alter Zeit, an der schon bei Griechen, Römern und Arabern beliebten Badestadt Sciacca sowie an der von Agrigent aus gegründetem antiken Stätte Eraclea Minoa aus hellenistischer Zeit erreichten wir Agrigent, nach Syrakus die wichtigste und reichste Stadt der Griechen auf Sizilien in archaischer und klassischer Zeit. Wir studierten die wie an einer Pelenkette aufgereihten Tempel und Heiligtümer der Unterstadt bis zu den Überesten des riesigen eingestürzten Zeustempels, von dem sich Goethe enttäuscht zeigte, da er es für unsinnig hielt, einen solchen Koloss zu bauen. Von Agrigent setzten wir die Reise über Enna, seit dem Altertum als Bauchnabel bezeichnetes geographisches Zentrum der Insel fort und erreichten an einem Knotenpunkt der alten Handelsstraßen die Ruinen der seinerzeit großen und wohlhabenden Stadt Morgantina, großartig zwischen zwei Anhöhen gelegen, mit rechteckig angelegter Agora, einer Stoa, einem Bouleuterion (Ratsgebäude) und einem Ekklasterion (Volksversammlung), einem Gymnasion und einem großen Theater. Nicht unweit davon besuchten wir in Piazza Armerina die Villa Romana del Casale, eine repräsentative Villa eines unbekannten reichen Römers mit prächtigen Mosaiken aus dem 4.Jhdt. n.Chr., ein absolutes Muss für jeden Sizilienbesucher.

Dann erreichten wir Syrakus, die frühere Hauptstadt der Griechen in Westen Siziliens, seinerzeit mit angeblich bis zu einer Million Einwohner die größte Stadt der damals bekannten Welt. Wir besuchten den ausgedehnten archäologischen Park in der sogenannten Neustadt ( Neapolis) mit großen Steinbrüchen und Grabanlagen aus späterer griechischer und christlicher Zeit und erkundeten einen riesigen Altar, den der mächtige Tyrann Hieron im 3. Jhdt. v. Chr. errichten ließ, ein griechisches Theater, ebenfalls aus dem 3. Jhdt und ein römisches Amphitheater aus der späten Römerzeit. In der heutigen Altstadt, gelegen auf der Halbinsel Ortigia, bestaunten wir den Dom, der in einmaliger Weise die alte dreischiffige Struktur des alten Athene-Tempels übernommen hat und mit seinem barocken Frontportal und dem Chorraum im Innern ein griechischer Tempel geblieben ist, sowie den großen Apollo-Tempel.
Von Syrakus aus verbanden sich die Eindrücke der griechisch-klassischen Zeit mit denen des Sizilianischen Barock, der sich nach dem katastrophalen Erdbeben und der Zerstörung ganzer Städte im Westen des Landes ab der zweiten Hälfte des 17. Jhdt rasant entwickelte. So besuchten wir südlich von Syrakus das etwas abgelegene Eloro, einen Ort, der im 7. vorchristlichen Jhdt. als Vorposten von Syrakus von den Griechen an einer Flussmündung gegründet wurde, sowie das antike Akrai, dessen Steinbrüche bis in die christliche Zeit als Grablege und Unterkunft genutzt worden sind. Beeindruckend dann aber auch die nach der Zerstörung des antiken Noto neu gebaute, gleichnamige Barockstadt. Kommune, Kirchen und Private wetteiferten damals geradezu, die prachtvollsten Kirchen, Klöster, Rathäuser und Palais zu bauen. So entstand eine bis heute beeindruckende Stadt, die durch das Siegel des Kulturwelterbes geadelt wurde.
Die Reise lief aus mit dem Besuch des Naturparks Ätna, der Barockstadt Taormina sowie der heute zweitgrößten Stadt der Insel Catania, deren Existenz seit jeher dem sprichwörtlichen Tanz auf dem Vulkan gleicht. Die 3 km lange Prachtstraße Via Etnea, der einmalige Fischmarkt, Domplatz und Elefantenbrunnen, die Festung Friedrich II, das Römische Theater, die Via Crociferi, an der sich Kloster an Kloster reiht, und schließlich die Universität sind nur einige Highlights des außerordentlich vielseitigen und abwechslungsreichen Erscheinungsbildes dieser lebendigen Großstadt.
Sehr beeindruckt und geradezu begeistert zeigten sich die Reiseteilnehmer am Schluss der Exkursion und dankten Prof. Dr. Henner von Hesberg für die großartige Führung und liebevolle Darstellung der Geheimnisse der besuchten archäologischen Stätten im ersten Teil der Exkursion wie auch Frau Jasmin Carnabuci für die kenntnisreiche Reiseleitung im weiteren Reiseverlauf, die darüberhinaus auch auf einfühlsame Art den Zugang zu den barocken Kleinoden und den Naturschönheiten der Insel vermittelte.

Johannes Dohmes

Eine Gruppe von 23 Mitgliedern der TWG besuchte vom 20.09. bis 01.10.2015 die Türkei mit dem Ziel, Hattuscha, die ehemalige Hauptstadt des Hethiterreiches, und andere Zeugnisse der Hethiter zu besuchen, die zwischen 1600 und 1200 v.Chr. ein Großreich schufen, das dem Reich der Pharaonen Paroli bieten konnte und im Jahre 1259 v.Chr. mit dem Kadesch-Vertrag mit Ägypten den ersten Friedensvertrag der Menschheitsgeschichte schloss. Die Gruppe wurde begleitet von PD Dr. Andreas Schachner, DAI-Istambul, seit 2006 Leiter der Grabungsstätte Hattuscha, Autor des Buches „Auf der Suche nach dem sagenhaften Großreich der Hethiter“ und ausgewiesener Kenner der Vor- und Frühgeschichte der Menschheit. Die von Ankara nach Antalya geplante Reise führte zunächst in die westlich von Ankara gelegene phrygische Hauptstadt Gordion mit dem wohl fälschlicherweise dem König Midas zugeschriebenen mächtigen und begehbaren Tumulus aus dem 8. vorchristlichen Jahrhundert. Schon am 2. Reisetag erreichte die Gruppe Bogasköy mit Blick auf die an einem Berghang gelegene hethitische Hauptstadt mit riesigen Ausmaßen und mächtigen, z.T. rekonstruierten Stadtmauern, die zur Hochzeit des Hethiterreiches eher der Machtdemonstration als der Verteidigung dienten. Dank der kenntnisreichen Erläuterungen von Dr. Schachner bekam das zunächst unübersichtlich erscheinende, stark zergliederte Areal der Stadt Gestalt und Leben. Von hier aus regierten die Hethiter ihr Weltreich mit einer zentral ausgerichteten Verwaltung, mit einer zentral organisiserten Versorgungs- und Wasserwirtschaft und mit einer zentral verordneten Religion. Diese zentrale Ausrichtung ihrer Herrschaft wurde gefördert durch die intensive Nutzung der Schrift. Besonderes Augenmerk richtet die Gruppe auf den großen Tempel in der Unterstadt mit einer Doppelcella, die dem Wettergott Teschub und der Sonnengöttin Hepat gewidmet war, auf den Burgberg und die nahe gelegene Hieroglyphenkammer des Königs Schuppiluliuma II mit den Namen seiner Vorgänger und auf den Verlauf der mehrere Kilometer langen Stadtmauern mit den drei berühmten Stadttoren, dem Löwen-, dem Sphingen- und dem Königstor.

 

Im Verlaufe der Reise besuchte die Gruppe als weitere Zeugnisse aus der Hethiterzeit die Prozession der Götter im nahe der alten Hauptstadt gelegenen Yazilikaya, das Felsrelief von Ivriz aus der hethitischen Spätzeit und das Quellheiligtum Eflatun Pina in der Nähe des Beysehir-Sees mit jeweils sehr eindrucksvollen Abbildungen von Göttern und Königen.
Dr. Schachner machte die Gruppe darauf aufmerksam, dass die Türkei als Durchgangsgebiet der frühen Menschen auf dem Weg nach Europa und Asien überaus reich an vor- und frühgeschichtlichen Zeugnissen ist, die zum großen Teil noch der Erforschung harren. Bis zu 10.000 Jahre alte Siedlungsplätze, die die Gruppe besuchen konnte, wie Alacahüyük und Catalhüyük ebenso wie Költepe, die Stadt aus der Karumzeit, der Zeit der assyrischen Händlerdynastien, werden heute in der Türkei als Zeugnisse des Nationalverständnisses und der nationalen Identität gefeiert und sind in den hervorragend organisierten Museen des Landes wie Ankara, Corum, Kayseri, Konya und vor allem auch Antalya sehr eindrucksvoll dokumentiert. Auf dem Weg nach Süden bewunderte die Gruppe die wunderbaren Felsformationen und kulturellen Schönheiten Kappadokiens – einige Teilnehmer wagten gar eine Ballonfahrt – und besuchte Burgen, Moscheen und andere Bauten in den ehemaligen Seldschukenhochburgen Nigde und Konya. Ein besonderes Erlebnis war in Begleitung des Imams der Besuch der schönsten Holzmoschee Anatoliens, der Esrefoglu-Moschee in Beysehir mit einem Wald von 48 Holzsäulen, auf denen das Dach ruht.

 

Für alle Teilnehmer war die Reise eine höchst eindrucksvolle und erlebnisreiche Erfahrung, die aufgrund der überaus zahlreichen, teils gut dokumentierten und geschickt präsentierten Zeugnisse archäologischer Forschung die Erwartungen weit übertraf. Unter Berücksichtigung der Vielzahl weiterer archäologischer Vorkommen im Osten, Südosten und Westen der Türkei bleiben genügend Anreize für weitere Exkursionen.

Ein besonderer Dank gebührt Herrn Dr. Andreas Schachner für seine Hilfe bei der Konzeption der Reise, für seine Bereitschaft, die Gruppe während der arbeitsfreien Woche des muslimischen Opferfestes zu begleiten und für seine außerordentlich hilfreichen Erläuterungen zum Verständnis der archäologischen Forschungen und der historisch-kulturellen Verbindungen zwischen den antiken Stätten über die Jahrtausende hinweg. Dank gebührt auch unserem Reiseleiter Kenen Canak für seine immer hilfreiche und treusorgende Begleitung und für seine aus reichem archäologischem, historischem und politischem Wissen gespeisten Erläuterungen sowie unserem Fahrer Baris, von dessen Fahrkünsten alle aufs Höchste beeindruckt waren, für eine angenehme und sichere Busfahrt.

Bonn, den 08.10.2015

Johannes Dohmes

mit Dr. Evangelia Antzaka

HP: Athen (Empfang durch den dt. Botschafter Dr. R. Schoof), Kolloquium im Schliemann-Haus des DAI (Prof. Dr. Katja Sporn), Sparta, Mystras, Nauplion, Hosios Lukas

Arch.: Akropolis, Kerameikos (mit Dr. Jutta Stroszeck), Korinth, Nemea, Epidauros, Tiryns (mit Dr. U. Thaler), Mykene, Tegea, Messene, Olympia (mit. Dr. R. Senff), Delphi

Gib hier deine Überschrift ein

z.T. mit Dr. Josef Eiwanger

HP: Fes, Meknes, Rabat (Empfang durch den dt. Botschafter Dr. M. Witter), Casablanca, Marrakesch, Atlasgebirge, Ait Benhaddou, Ouarzazate, Straße der Karawanen und Kasbahs

Arch.:  Höhle Ifri n’Ammar, Volubilis, Lixus, Chellah