Reisen

Studienreisen

Mitglieder der Gesellschaft der Freunde des Deutschen ArchÀologischen Instituts haben die Möglichkeit, jÀhrlich an einer exklusiven Studienreise mit kompetenter Begleitung von leitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des DAI teilzunehmen.

 

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Die TWG-Exkursion 2017 fĂŒhrte vom 10. bis 22. Mai 2017 in den Iran. Den 21 Mitglieder und Förderer der Gesellschaft der Freunde des Deutschen ArchĂ€ologischen Instituts, die an der Exkursion teilnahmen, prĂ€sentierte sich der Iran als ein außerordentlich freundliches Land, das den Besucher mit seiner reichen Geschichte, seinen GĂ€rten und PalĂ€sten, seinen Moscheen, Mausoleen und Medressen und mit seinen Zeugnissen der Kultur, der Kunst und der Literatur nachhaltig beeindruckt. Die Reiseroute verlief in Begleitung der Leiterin der DAI-Außenstelle Teheran, Frau Dr. Judith Thomalsky, von Teheran ĂŒber Isfahan und Yazd nach Shiraz und berĂŒcksichtigte vor allem auch die vor- und frĂŒhgeschichtlichen archĂ€ologischen Zeugnisse des Landes sowie die klassischen historischen StĂ€tten von Pasargadae und Persepolis.

 
IRAN [Attribution: unknown; Copyright: TWG]

Das Programm in der umtriebigen und staugeplagten Hauptstadt Teheran begann mit einem Informationsbesuch in der Deutschen Botschaft und dem obligatorischen Geldwechsel mit gewöhnungsbedĂŒrftigen MillionenbetrĂ€gen zunĂ€chst routiniert und fĂŒr die vielgereisten Teilnehmer nicht ungewöhnlich. Aber schon der ausgedehnte Besuch im Nationalmuseum gab einen ersten Eindruck vom geschichtlichen und kĂŒnstlerischen Reichtum der Jahrtausende alten Geschichte des Landes. Der Besuch im nahegelegenen Ray, als Raga lange vor der GrĂŒndung Teherans ein wichtiger Knotenpunkt an der alten Seidenstraße, dann in parthischer Zeit sogar königliche Residenz und in frĂŒher islamischer Zeit neben Bagdad eine der bedeutendsten StĂ€dte des Orients, offenbarte uns dann vor Ort mit der historischen Quelle Chesme Ali, dem SiedlungshĂŒgel aus neolithischer Zeit und der erhaltenen Stadtmauer eindrucksvolle Zeugnisse aus den verschiedenen Zeitperioden der iranischen Geschichte. Einige Meilen weiter besuchten wir den Tappe Mil, einen ebenfalls prĂ€historischen SiedlungshĂŒgel, gekrönt von einer sassanidischen Palast- und Tempelanlage. Vor- und frĂŒhgeschichtliche Zeugnisse fanden wir auch in Tappe Sialk, dessen nördliche Erhebung den Nachweis fĂŒr eine Besiedlung schon im 6. vorchristlichen Jahrtausend erbrachte. In einem neuen Ansatz versuchen u.a. deutsche ArchĂ€ologen nachzuweisen, dass schon in dieser frĂŒhen Zeit die Gewinnung und Verarbeitung von Metallen möglich waren, deren AnfĂ€nge bisher ins 4. Jt. datiert werden. Auf dem Weg in das wegen seiner rotbraunen Lehmarchitektur bekannte Bergdorf Abyaneh, dessen Besiedlung seit sassanidischer Zeit nachgewiesen ist, berichtete Frau Dr. Thomalsky ĂŒber ein altes deutsches archĂ€ologisches Bergbauprojekt im nahen Arisman, das auf weitere Forschungsgrabungen wartet.

 
Persepolis [Attribution: unknown; Copyright: TWG]
Persepolis Gruppenbild [Attribution: unknown; Copyright: TWG]

Auf dem Weg von Yazd nach Shiraz erreichten wir die reprĂ€sentativen StĂ€tten und GrĂ€ber der achĂ€menidischen Großkönige aus der klassischen Zeit der Perser im 6. vorchristlichen Jhdt., heute WeltkulturerbestĂ€tten. In 1850 m Höhe besuchten wir die persische Residenzstadt Pasargadae, die Kyros der Große, der GrĂŒnder des persischen Großreiches, 550 v.Chr. nach seinem Sieg ĂŒber die Meder errichten ließ. Neben den Grundmauern und einigen SĂ€ulen alter PalĂ€ste ist auf dem sehr großen Areal das ebenso schlichte wie eindrucksvolle Grabmahl von Kyros das einzige komplett erhaltene GebĂ€ude in Form eines Steinhauses auf einer aus großen Natursteinen gebauten Basis. Unser nĂ€chster Besuch galt der 518 v.Chr. von Darios I. gegrĂŒndeten, großartigen ReprĂ€sentationshauptstadt Persepolis, persisch Parsa genannt. Die Stadt wurde knapp 200 Jahre spĂ€ter von Alexander dem Großen erobert und zerstört. Da die Reste vieler GebĂ€ude bis zum Beginn der archĂ€ologischen Ausgrabungen ab etwa 1930 unter dem Erdreich verborgen waren und keine Erdbeben sie weiter verwĂŒsteten, stellt sich Persepolis heute als Ansammlung von SĂ€ulen, Mauern, Fundamenten und Reliefs dar, die jeweils im einzelnen von außergewöhnlicher QualitĂ€t in Konzept und AusfĂŒhrung sind. Wenige Kilometer entfernt besichtigten wir anschließend ein Grabungsfeld, auf dem iranische und italienische ArchĂ€ologen vor wenigen Jahren Fundamente eines zu einem weiteren Palast gehörenden Prachttores gefunden haben, das zu ihrer Überraschung von Kyros dem Großen, dem GrĂŒnder des AchĂ€menidenreiches gebaut worden sein muss – also Ă€lter als Persepolis ist. Nach dem Fundmaterial handelt es sich um eine Nachbildung des Torbaus von Babylon, das im Pergamonmuseum in Berlin zu sehen ist. Wiederum einige Kilometer weiter befinden sich dann in Naqsh-e Rostam auch die KönigsgrĂ€ber der achĂ€menidischen Könige, die in den Fels gehauen und mit Reliefs und Texten ausgeschmĂŒckt sind.

 

Da wir wĂ€hrend unserer begrenzten Reisezeit nur eine kleine Auswahl iranischer archĂ€ologischer FundstĂ€tten besuchen konnten, ergĂ€nzte Frau Dr. Thomalsky den archĂ€ologischen Horizont des Iran durch Hinweise auf ein Grabungsprojekt, das sie gemeinsam mit einem iranischen Kollegen in Khorazan im Norden Irans im Grenzgebiet zu Turkmenistan bearbeitet,  dann auf AktivitĂ€ten in der historisch wichtigen Umgebung des Urmia-Sees im Norden des Landes und schließlich auf das fĂŒr die frĂŒhe elamische und iranische Geschichte wichtige Gebiet im SĂŒdwesten des Landes in Richtung Mesopotamien mit der alten Hauptstadt Susa. Frau Dr. Thomalsky erlĂ€uterte dabei sehr eindrucksvoll ihre Vorstellungen, in enger Zusammenarbeit mit den iranischen ArchĂ€ologen daran mitzuarbeiten, einen GesamtĂŒberblick ĂŒber archĂ€ologische StĂ€tten im Iran zu erstellen, Schwerpunkte zu bilden und die archĂ€ologische Forschung effizient und mit modernen Methoden voranzubringen.

Neben der ArchĂ€ologie bot uns der Iran auch andere unvergessliche Höhepunkte. ZunĂ€chst die Landschaft, durch die wir reisten, die Hochebenen zwischen Elburs und Zagrosgebirge mit fruchtbaren Gebieten – den schon im Altertum genutzten Kornkammern – und den WĂŒsten, die SalzwĂŒste, die wir durchquerten. Dann sehr beeindruckend die in Jahrtausenden entwickelten BewĂ€sserungssysteme, die Qanate, die zu allen Zeiten Voraussetzung fĂŒr gute Ernten und fĂŒr Reichtum waren.

Wir bewunderten die Gartenanlagen und PalĂ€ste, nicht zufĂ€llig in persischer Sprache als Paradiese bezeichnet: den Golan-Palast im Zentrum und die Saad Abad Parkanlage im Norden Teherans, die Fin-GĂ€rten in Kashan und Chahel-Sotun- und Hasht-Behesht-Palast in Isfahan, eine Stadt, der an Schönheit keine andere gleichkommt, der Dowlatabad-Garten in Yazd, schließlich Shiraz, die Stadt der Rosen und Nachtigallen, die Rivalin Istafans in der Gunst der Bewunderer mit Eram-Garten und Naranjestan-Garten, den Garten der OrangenbĂ€ume, den ein Mitglied der ol-Molk-Familie als BĂŒrgermeister von Chiraz 1880 zusammen mit einem eindrucksvollen Palast anlegte.

Wir bewunderten die TĂŒrme des Schweigens zur Totenbestattung der Zoroaster und  die TĂŒrme der Winde zur KĂŒhlung der HĂ€user und großer VorratsbehĂ€lter in Yazd und Umgebung sowie die TaubentĂŒrme von Meybod.

Cyrus Grab, Iran [Attribution: unknown; Copyright: TWG]
Iran [Attribution: unknown; Copyright: TWG]
Iran [Attribution: unknown; Copyright: TWG]

Und wir begegneten mit Respekt den religiösen Zentren ĂŒberall im Lande. Wir begannen mit dem Besuch des schiitischen Schreins Hazrat-e Abdal Azim in Ray mit den Grabmonumenten frĂŒher Imame, einem der wichtigsten PilgerstĂ€tten Irans. Unsere Frauen mischten sich in geliehenen UmhĂ€ngen unter die betenden islamischen Frauen, wĂ€hrend wir MĂ€nner auf der MĂ€nnerseite die im wahren Wortsinn glĂ€nzende Ausgestaltung der heiligen Schreine bewunderten. Das integrierte Museum beeindruckte mit feiner, bis heute  örtlich hergestellter Keramik, mit religiösen GerĂ€tschaften und mit herrlichen, alten BĂŒchern.

Wir passierten das noch im Bau befindliche, aber schon als PilgerstĂ€tte dienende Imam-Khomeini-Mausoleum außerhalb von Teheran, einen riesigen, aufwendig ausgestatteten GebĂ€udekomplex, der als BegrĂ€bnisstĂ€tte des ersten RevolutionsfĂŒhrers die Vorherrschaft der Geistlichkeit im Iran dokumentiert. Auf der Weiterreise gen SĂŒden erreichten wir die fĂŒr Muslime Heilige Stadt Qom, die wir aus ZeitgrĂŒnden nur aus der Ferne besichtigten. In Isfahan besuchten wir die alte Freitagsmoschee, an der seit dem 8. Jhdt gebaut wird, sowie die Imam- oder Abbas-Moschee auf dem unvergesslichen Imamplatz. Im Laufe der Weiterreise sahen wir die alte SĂ€ulenmoschee aus dem 9. Jhdt in Nain. In Chiraz waren wir beeindruckt von der privaten Rosa-Moschee des Nasr ol-Molk und von der riesigen Anlage des Shah-Cheragh-Schreins, der nach Qom und Marschad als das drittwichtigste Heiligtum der Shiiten im Iran angesehen wird.

 

Schließlich ließen wir uns begeistern von den zur Pahlevi-Zeit Mitte des 20. Jhdt. als nationale GedenkstĂ€tten gestalteten Mausoleen der bekanntesten iranischen Dichter Saadi (um 1210 – 1292) und Hafiz (um 1315 – 1389). Saadi war ein vielgereister, in Bagdad ausgebildeter Gelehrter, der dem Sufi-Orden anhing, wĂ€hrend Hafis seine Heimatstadt Shiraz kaum je verließ und in seinen Werken einen universellen Islam vertrat. Im West-östlichen Diwan setzte Goethe dem von ihm verehrten Hafis ein literarisches Denkmal.

Die Reiseteilnehmer empfanden das anspruchsvolle Reiseprogramm am Ende als eine geistige und konditionelle Herausforderung. Der Iran aber zeigte sich in seiner ganzen Einzigartigkeit und GrĂ¶ĂŸe und entschĂ€digte fĂŒr alle MĂŒhen, sodass alle  zufrieden und voll unvergesslicher EindrĂŒcke wieder in die Heimat zurĂŒckkehrten.

 

Johannes Dohmes

Die TWG-Exkursion 2016 fĂŒhrte vom 17. & 28. Mai 2016 nach Sizilien, nach Magna Graecia, wo die Griechen ab der Mitte des 7. vorchristlichen Jahrhundert Raum, Nahrung und Arbeit fanden, wo sie auf die Phoenizier trafen, die schon seit 1000 v.Chr. im Osten der Insel ihre Handelsniederlassung eingerichtet hatten, wo sie unermesslichen Reichtum anhĂ€uften und riesige StĂ€dte, Maueranlagen und Tempel bauten, die alles aus der Heimat weit in den Schatten stellte, die dann aber im 3. Jhdt. von den Puniern vernichtend geschlagen wurden und die riesigen Tempel und anderen Bauten als Ruinen zurĂŒckließen.

Sizilien ist aufgrund der geographischen Lage auch die Insel der großen Naturschauspiele. Der Ätna tat uns den Gefallen und zeigte weiße Rauchwolken. Wir erfuhren aber auch von der Erdbebenkatastrophe im 17. Jhdt., die dann zur InitialzĂŒndung zum Bau großartiger BarockstĂ€dte wurde, die bis heute große Scharen von Touristen anziehen.
Das war die Ausgangslage fĂŒr die 12-tĂ€gige intensive Rundreise, die 16 begeisterte und beeindruckte Mitglieder unserer Gesellschaft unter kenntnisreicher und einfĂŒhlsamer FĂŒhrung von Prof. Dr. Henner von Hesberg, dem frĂŒheren Direktor des DAI-Rom, der auch heute noch in Selinunt arbeitet, und der Reiseleiterin Jasmin Carnabuci von Palermo bis nach Catania fĂŒhrte.

Palermo mit Abstecher nach Monreale gab uns eine erste Ahnung von der vielgestaltigen geschichtlichen und architektonischen Entwicklung mit den Zeugnissen aus der Zeit des klassischen Altertums ĂŒber die byzantinische, normannische, arabische und islamische Zeit bis in die Gegenwart. Von Palermo verlief die Reise ĂŒber die antike griechische Stadt Segesta mit dem gut erhaltenen dorischen Tempel und dem kleinen Theater auf dem nahen Stadtberg nach Mozia, einem um 1.000 v.Chr. von den Phöniziern gegrĂŒndeten Handelszentrum an der OstkĂŒste der Insel, das zu Beginn des 4. Vorchristlichen Jhdts. von Dionysios von Syrakus völlig zerstört wurde.
Vorbei an der durch ihre Weine bekannten Stadt Marsala ging es weiter nach Selinunt, das durch die einmalige Lage, die GrĂ¶ĂŸe seiner Tempel, Stadtmauern und GebĂ€uden und auch durch die FĂ€lle der archĂ€ologischen Forschungsergebnisse beeindruckte. Eindrucksvoll auch das Zusammentreffen mit den Mitgliedern der Forschergruppe um Prof. Henner von Hesberg und der Besuch im ergiebigen und gut geordneten Magazins im DAI-Grabungshaus, dessen Dokumentation und Auswertung sich die Wissenschaftler zur Aufgabe gemacht haben.

Vorbei am zu Selinunt gehörenden Steinbruch Cave de Cuse mit einer Sammlung unvollendeter SĂ€ulentrommeln aus alter Zeit, an der schon bei Griechen, Römern und Arabern beliebten Badestadt Sciacca sowie an der von Agrigent aus gegrĂŒndetem antiken StĂ€tte Eraclea Minoa aus hellenistischer Zeit erreichten wir Agrigent, nach Syrakus die wichtigste und reichste Stadt der Griechen auf Sizilien in archaischer und klassischer Zeit. Wir studierten die wie an einer Pelenkette aufgereihten Tempel und HeiligtĂŒmer der Unterstadt bis zu den Überesten des riesigen eingestĂŒrzten Zeustempels, von dem sich Goethe enttĂ€uscht zeigte, da er es fĂŒr unsinnig hielt, einen solchen Koloss zu bauen. Von Agrigent setzten wir die Reise ĂŒber Enna, seit dem Altertum als Bauchnabel bezeichnetes geographisches Zentrum der Insel fort und erreichten an einem Knotenpunkt der alten Handelsstraßen die Ruinen der seinerzeit großen und wohlhabenden Stadt Morgantina, großartig zwischen zwei Anhöhen gelegen, mit rechteckig angelegter Agora, einer Stoa, einem Bouleuterion (RatsgebĂ€ude) und einem Ekklasterion (Volksversammlung), einem Gymnasion und einem großen Theater. Nicht unweit davon besuchten wir in Piazza Armerina die Villa Romana del Casale, eine reprĂ€sentative Villa eines unbekannten reichen Römers mit prĂ€chtigen Mosaiken aus dem 4.Jhdt. n.Chr., ein absolutes Muss fĂŒr jeden Sizilienbesucher.

Dann erreichten wir Syrakus, die frĂŒhere Hauptstadt der Griechen in Westen Siziliens, seinerzeit mit angeblich bis zu einer Million Einwohner die grĂ¶ĂŸte Stadt der damals bekannten Welt. Wir besuchten den ausgedehnten archĂ€ologischen Park in der sogenannten Neustadt ( Neapolis) mit großen SteinbrĂŒchen und Grabanlagen aus spĂ€terer griechischer und christlicher Zeit und erkundeten einen riesigen Altar, den der mĂ€chtige Tyrann Hieron im 3. Jhdt. v. Chr. errichten ließ, ein griechisches Theater, ebenfalls aus dem 3. Jhdt und ein römisches Amphitheater aus der spĂ€ten Römerzeit. In der heutigen Altstadt, gelegen auf der Halbinsel Ortigia, bestaunten wir den Dom, der in einmaliger Weise die alte dreischiffige Struktur des alten Athene-Tempels ĂŒbernommen hat und mit seinem barocken Frontportal und dem Chorraum im Innern ein griechischer Tempel geblieben ist, sowie den großen Apollo-Tempel.
Von Syrakus aus verbanden sich die EindrĂŒcke der griechisch-klassischen Zeit mit denen des Sizilianischen Barock, der sich nach dem katastrophalen Erdbeben und der Zerstörung ganzer StĂ€dte im Westen des Landes ab der zweiten HĂ€lfte des 17. Jhdt rasant entwickelte. So besuchten wir sĂŒdlich von Syrakus das etwas abgelegene Eloro, einen Ort, der im 7. vorchristlichen Jhdt. als Vorposten von Syrakus von den Griechen an einer FlussmĂŒndung gegrĂŒndet wurde, sowie das antike Akrai, dessen SteinbrĂŒche bis in die christliche Zeit als Grablege und Unterkunft genutzt worden sind. Beeindruckend dann aber auch die nach der Zerstörung des antiken Noto neu gebaute, gleichnamige Barockstadt. Kommune, Kirchen und Private wetteiferten damals geradezu, die prachtvollsten Kirchen, Klöster, RathĂ€user und Palais zu bauen. So entstand eine bis heute beeindruckende Stadt, die durch das Siegel des Kulturwelterbes geadelt wurde.
Die Reise lief aus mit dem Besuch des Naturparks Ätna, der Barockstadt Taormina sowie der heute zweitgrĂ¶ĂŸten Stadt der Insel Catania, deren Existenz seit jeher dem sprichwörtlichen Tanz auf dem Vulkan gleicht. Die 3 km lange Prachtstraße Via Etnea, der einmalige Fischmarkt, Domplatz und Elefantenbrunnen, die Festung Friedrich II, das Römische Theater, die Via Crociferi, an der sich Kloster an Kloster reiht, und schließlich die UniversitĂ€t sind nur einige Highlights des außerordentlich vielseitigen und abwechslungsreichen Erscheinungsbildes dieser lebendigen Großstadt.
Sehr beeindruckt und geradezu begeistert zeigten sich die Reiseteilnehmer am Schluss der Exkursion und dankten Prof. Dr. Henner von Hesberg fĂŒr die großartige FĂŒhrung und liebevolle Darstellung der Geheimnisse der besuchten archĂ€ologischen StĂ€tten im ersten Teil der Exkursion wie auch Frau Jasmin Carnabuci fĂŒr die kenntnisreiche Reiseleitung im weiteren Reiseverlauf, die darĂŒberhinaus auch auf einfĂŒhlsame Art den Zugang zu den barocken Kleinoden und den Naturschönheiten der Insel vermittelte.

Johannes Dohmes

Eine Gruppe von 23 Mitgliedern der TWG besuchte vom 20.09. bis 01.10.2015 die TĂŒrkei mit dem Ziel, Hattuscha, die ehemalige Hauptstadt des Hethiterreiches, und andere Zeugnisse der Hethiter zu besuchen, die zwischen 1600 und 1200 v.Chr. ein Großreich schufen, das dem Reich der Pharaonen Paroli bieten konnte und im Jahre 1259 v.Chr. mit dem Kadesch-Vertrag mit Ägypten den ersten Friedensvertrag der Menschheitsgeschichte schloss. Die Gruppe wurde begleitet von PD Dr. Andreas Schachner, DAI-Istambul, seit 2006 Leiter der GrabungsstĂ€tte Hattuscha, Autor des Buches „Auf der Suche nach dem sagenhaften Großreich der Hethiter“ und ausgewiesener Kenner der Vor- und FrĂŒhgeschichte der Menschheit. Die von Ankara nach Antalya geplante Reise fĂŒhrte zunĂ€chst in die westlich von Ankara gelegene phrygische Hauptstadt Gordion mit dem wohl fĂ€lschlicherweise dem König Midas zugeschriebenen mĂ€chtigen und begehbaren Tumulus aus dem 8. vorchristlichen Jahrhundert. Schon am 2. Reisetag erreichte die Gruppe Bogasköy mit Blick auf die an einem Berghang gelegene hethitische Hauptstadt mit riesigen Ausmaßen und mĂ€chtigen, z.T. rekonstruierten Stadtmauern, die zur Hochzeit des Hethiterreiches eher der Machtdemonstration als der Verteidigung dienten. Dank der kenntnisreichen ErlĂ€uterungen von Dr. Schachner bekam das zunĂ€chst unĂŒbersichtlich erscheinende, stark zergliederte Areal der Stadt Gestalt und Leben. Von hier aus regierten die Hethiter ihr Weltreich mit einer zentral ausgerichteten Verwaltung, mit einer zentral organisiserten Versorgungs- und Wasserwirtschaft und mit einer zentral verordneten Religion. Diese zentrale Ausrichtung ihrer Herrschaft wurde gefördert durch die intensive Nutzung der Schrift. Besonderes Augenmerk richtet die Gruppe auf den großen Tempel in der Unterstadt mit einer Doppelcella, die dem Wettergott Teschub und der Sonnengöttin Hepat gewidmet war, auf den Burgberg und die nahe gelegene Hieroglyphenkammer des Königs Schuppiluliuma II mit den Namen seiner VorgĂ€nger und auf den Verlauf der mehrere Kilometer langen Stadtmauern mit den drei berĂŒhmten Stadttoren, dem Löwen-, dem Sphingen- und dem Königstor.

 

Im Verlaufe der Reise besuchte die Gruppe als weitere Zeugnisse aus der Hethiterzeit die Prozession der Götter im nahe der alten Hauptstadt gelegenen Yazilikaya, das Felsrelief von Ivriz aus der hethitischen SpÀtzeit und das Quellheiligtum Eflatun Pina in der NÀhe des Beysehir-Sees mit jeweils sehr eindrucksvollen Abbildungen von Göttern und Königen.
Dr. Schachner machte die Gruppe darauf aufmerksam, dass die TĂŒrkei als Durchgangsgebiet der frĂŒhen Menschen auf dem Weg nach Europa und Asien ĂŒberaus reich an vor- und frĂŒhgeschichtlichen Zeugnissen ist, die zum großen Teil noch der Erforschung harren. Bis zu 10.000 Jahre alte SiedlungsplĂ€tze, die die Gruppe besuchen konnte, wie AlacahĂŒyĂŒk und CatalhĂŒyĂŒk ebenso wie Költepe, die Stadt aus der Karumzeit, der Zeit der assyrischen HĂ€ndlerdynastien, werden heute in der TĂŒrkei als Zeugnisse des NationalverstĂ€ndnisses und der nationalen IdentitĂ€t gefeiert und sind in den hervorragend organisierten Museen des Landes wie Ankara, Corum, Kayseri, Konya und vor allem auch Antalya sehr eindrucksvoll dokumentiert. Auf dem Weg nach SĂŒden bewunderte die Gruppe die wunderbaren Felsformationen und kulturellen Schönheiten Kappadokiens – einige Teilnehmer wagten gar eine Ballonfahrt – und besuchte Burgen, Moscheen und andere Bauten in den ehemaligen Seldschukenhochburgen Nigde und Konya. Ein besonderes Erlebnis war in Begleitung des Imams der Besuch der schönsten Holzmoschee Anatoliens, der Esrefoglu-Moschee in Beysehir mit einem Wald von 48 HolzsĂ€ulen, auf denen das Dach ruht.

 

FĂŒr alle Teilnehmer war die Reise eine höchst eindrucksvolle und erlebnisreiche Erfahrung, die aufgrund der ĂŒberaus zahlreichen, teils gut dokumentierten und geschickt prĂ€sentierten Zeugnisse archĂ€ologischer Forschung die Erwartungen weit ĂŒbertraf. Unter BerĂŒcksichtigung der Vielzahl weiterer archĂ€ologischer Vorkommen im Osten, SĂŒdosten und Westen der TĂŒrkei bleiben genĂŒgend Anreize fĂŒr weitere Exkursionen.

Ein besonderer Dank gebĂŒhrt Herrn Dr. Andreas Schachner fĂŒr seine Hilfe bei der Konzeption der Reise, fĂŒr seine Bereitschaft, die Gruppe wĂ€hrend der arbeitsfreien Woche des muslimischen Opferfestes zu begleiten und fĂŒr seine außerordentlich hilfreichen ErlĂ€uterungen zum VerstĂ€ndnis der archĂ€ologischen Forschungen und der historisch-kulturellen Verbindungen zwischen den antiken StĂ€tten ĂŒber die Jahrtausende hinweg. Dank gebĂŒhrt auch unserem Reiseleiter Kenen Canak fĂŒr seine immer hilfreiche und treusorgende Begleitung und fĂŒr seine aus reichem archĂ€ologischem, historischem und politischem Wissen gespeisten ErlĂ€uterungen sowie unserem Fahrer Baris, von dessen FahrkĂŒnsten alle aufs Höchste beeindruckt waren, fĂŒr eine angenehme und sichere Busfahrt.

Bonn, den 08.10.2015

Johannes Dohmes

mit Dr. Evangelia Antzaka

HP: Athen (Empfang durch den dt. Botschafter Dr. R. Schoof), Kolloquium im Schliemann-Haus des DAI (Prof. Dr. Katja Sporn), Sparta, Mystras, Nauplion, Hosios Lukas

Arch.: Akropolis, Kerameikos (mit Dr. Jutta Stroszeck), Korinth, Nemea, Epidauros, Tiryns (mit Dr. U. Thaler), Mykene, Tegea, Messene, Olympia (mit. Dr. R. Senff), Delphi

[Attribution: unknown; Copyright: TWG]